Folk - Singer/Songwriter - Folkrock - Mittelalterrock - Folklore - Strumpfhosenmusik
von jerrycornelius » 8. Feb 2010, 15:39
Neofolk (grch. neos = „neu“, engl.: folk von Folklore; die Volkskultur, in diesem Fall Musik betreffend), auch Apocalyptic Folk genannt, ist eine Musikrichtung, die etwa in der Mitte der 1980er Jahre in England entstanden ist. Die Genre-Bezeichnung selbst wurde jedoch erst mit der Popularität des Stils erschaffen und ist seit 1992 belegt. Als Begründer des Neofolk gelten Death in June und Sol Invictus, beide aus der britischen Punk-Band Crisis hervorgegangen, sowie die Band Current 93 von David Tibet, der vorher bei den Industrial-Bands Psychic TV und 23 Skidoo aktiv gewesen war. Musik und TexteNeofolk-Kompositionen beruhen hauptsächlich auf einer akustischen Instrumentierung mit Akustikgitarren, Flöten, Trommeln, Geigen oder Celli, häufig unter Verwendung von Synthesizer-Flächen. Die Musik von Death in June beispielsweise beinhaltet seit „The Guilty Have No Pride“ „viele Versatzstücke, Klänge, Loop-Techniken oder Herangehensweisen heraushören, die später ausgebaut und verfeinert das Klangbild der Band maßgeblich prägen sollten“,[1] Besonders das 1992 veröffentlichte Album „But What Ends When the Symbols Shatter?“ gilt als repräsentativ für das Neofolk-Genre. Auf dem Album „The Rule of Thirds“ hingegen arbeitete Douglas Pearce „nur mit Stimme und Akustikgitarre“, womit es im Grunde „eine reine Folkplatte“ ist.[2] Current 93s Album „Black Ships Ate the Sky hingegen bietet ein „Klangbild zwischen filigraner Folklore und dezent dröhnender Psychedelik“,[3] eine Mischung aus dissonanten Passagen und den für die Band typischen Folkklängen, aus „experimentellen Tönen und eingängigen, sanften Klängen“.[4] Zu den Themen der „Neuen Folklore“ zählen unter anderem Naturmystik, Heidentum, Christentum, Satanismus, Buddhismus, Runologie oder das Mittelalter. Literarische und dichterische Bezüge tauchen häufig auf. Zu den rezipierten Autoren zählen unter anderem Rainer Maria Rilke, Hermann Hesse, Ernst Jünger, Novalis, Yukio Mishima, Julius Evola, Jean Genet und Stefan George. (...) Neofolk als SubkulturDie Neofolk-Szene wird von vielen ihrer Angehörigen als eigenständige Szene betrachtet, andere sehen darin noch immer einen Bestandteil der ausklingenden Dark-Wave-Bewegung, in deren Umfeld sich das Neofolk-Genre in den 1980er und der 1990er Jahren bewegte. Grund hierfür ist der stilistische Ursprung des Neofolk sowie seine Überlagerungen mit anderen Genres hinsichtlich Thematiken oder klanglicher Komponenten. Das Publikum setzt sich aus Menschen verschiedener Interessen zusammen. Beispiele hierfür war eine 2005 in einem Jugendtreff in Leipzig im Rahmen des Wave-Gotik-Treffens abgehaltene Konzertreihe und ist aktuell die Veranstaltungsreihe Elfenfolk. Große Bedeutung im Zusammenhang mit der Szene hatte der englische (und 2004 in Insolvenz gegangene) Vertrieb World Serpent, dessen Katalog sich aus einer Vielzahl von Neofolk-Alben zusammensetzte. PolitikEinige Künstler sind für eine Vielzahl an Kritikern[5] der sogenannten „neurechten Kulturalternative“ zuzurechnen. So nehmen diese Künstler affirmativ Bezug auf Ideologien und Positionen der rechten bis rechtsextremen europäischen Ideengeschichte bis hin zum Nationalsozialismus. Aufgenommen werden dabei, ähnlich wie bei der Neuen Rechten selbst, Traditionslinien von Vertretern der Konservativen Revolution (wie Ernst Jünger), der Völkischen Bewegung (wie Jörg Lanz von Liebenfels) und des europäischen Faschismus (wie Julius Evola). Verknüpft wird dies mit verschiedenen rechtsesoterisch-okkulten Vorstellungen (wie denen Aleister Crowleys oder Karl Maria Wiliguts) und einer „völkisch-faschistoiden“ Ästhetik beziehungsweise einem „faschistischen Stil“ (Armin Mohler), der sich etwa aus den Bildern Ludwig Fahrenkrogs, den Skulpturen Josef Thoraks und den Filmen Leni Riefenstahls speist. Ein intellektueller Bezug besteht dabei zu Alain de Benoists Adaption der kulturellen Hegemonie im metapolitischen Raum - in dem einer vermeintlich „linken“ oder „amerikanischen Kulturübermacht“ eine eigene „ureuropäische“ Alternative gegenüber gestellt wird, die der Aufklärung und der Vernunft Neuheidentum und Intuition entgegensetzt und dabei weitergehend auf antiegalitäre, antidemokratische, antimoderne und sozialdarwinistische Prinzipien baut. Darüber hinaus gab es verschiedene personelle Überschneidungen zwischen Medien der Dark-Wave-/Neofolk-Szene und der Neuen Rechten. Der damalige Junge-Freiheit-Redakteur Roland Bubik fasste 1996 angesichts einer Zillo-Preisverleihung die Hoffnungen auf eine „europäische Gegenkultur“, welche die kulturell orientierte Neue Rechte in Bezug auf die Schwarze Szene hegte, zusammen: „Wenn das Mystische und Irrationale, der Wunsch nach antiaufklärerischer Innenschau und gelebter Transzendenz ihre Stimme in der Jugendkultur finden, ist der ästhetische Konsens des Westens durchbrochen.“ Die kritisierten Bands und Künstler, die ohne eine strikte Trennung von szenespezifischer musikalischer Genres mehr oder weniger alle der Schwarzen Szene zugerechnet werden, sind unter anderem: Allerseelen, Blood Axis, Death in June, Der Blutharsch, Fire & Ice, Forseti, Kirlian Camera, Les Joyaux de la Princesse, NON, Orplid, Sol Invictus, Von Thronstahl und Waldteufel. Um die Jahrtausendwende führten die Konflikte um derartige Projekte zu massiven Diskussionen innerhalb der Schwarzen Szene, in der sich Teile der Neofolk-Hörerschaft bewegen.[6] In jüngerer Zeit findet eine Selbstzensur statt, da einige rechtsextreme Symbole und Zeichen in Deutschland verboten sind: Beu der Neuauflage der Kompilation „The Pact: Flying in the Face...“ von Tesco/Fremdheit aus dem Jahr 2000 wurden einige Seiten des Booklets der Erstauflage von Asafoetida aus dem Jahr 1996 weggelassen, zB. die Seiten zu Eric Owens und Schwartze Orden, auf denen Runen zu sehen waren. Auch beim Boyd-Rice-Album „Music, Martinis & Misanthropy“ sind entsprechende Symbole im Booklet und auf der CD in der Neuauflage durch New European Rec. nicht mehr vorhanden, ebenso bei der Zweitauflage von Der Blutharschs „Der Sieg des Lichtes ist des Lebens Heil“ bei Tesco. Death in Junes „Braun Buch Zwei“, eine Neuauflage des indizierten Albums „Brown Book“, fehlen beanstandete Liedpassagen. http://de.wikipedia.org/wiki/Neofolk
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von Michahst » 8. Feb 2010, 16:13
Interessant und schwierig zugleich, weil ich selbst Seiteneinsteiger bin. Generell möchte ich feststellen, das die schwarze Szene (z. B. Gothic Kultur) eher am linken Rand zu suchen ist, statt sich irgendwo rechts zu tummeln. Themen der "neuen Folklore" sind vor allem kritische Auseinandersetzung mit Religionen, Hervorheben von Werten der Naturmystik und des Heidentums. Themen, wie ich sie selbst auch aus historischer Sicht gegen eine Vereinnamung seitens des Christentums "verteidige". Von den angeführten kritisierten Bands ist mir keine einzige bekannt.
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von Gryphon » 10. Feb 2010, 21:16
jerrycornelius hat geschrieben:ja, diskutiert mal, gerade auch hinsichtlich des sog. Neofolk würde mich das interessieren. Aber was ist dran an den politischen Vorwürfen, die auf Wikipedia zu lesen sind? http://de.wikipedia.org/wiki/Apocalyptic_Folk#PolitikIst da was dran? Oder gibt es nur einige schwarze Schafe? Oder werden da vielleicht Sachen überinterpretiert bzw. reingelesen?
Ich bin auch auf dieses Thema gestoßen, als ich angefangen habe mich mit Neofolk zu beschäftigen. Kirlian Camera und Death in June waren mir vorher namentlich durch z.B. Zillo und Orkus bekannt. Ich bin bei You Tube auf der Suche nach Neofolk auf Allerseelen, Blood Axis und einige andere Bands gestoßen, denen man eine rechte Nähe nachsagt. Ich habe mich jetzt nur an den Videos orientiert und mich noch nicht intensiv mit den Texten beschäftigt. Einige Videos finde ich schon sehr "strange". Viel Symbolik, die von den Rechten benutzt wurden/werden, der stellenweise Uniformfaible und die alten Aufnahmen (s. Videoclips Death in June) wirken auf mich teilweise eher wie eine Huldigung dieser Zeit, als eine geschichtliche "Dokumentation". Anhand der Clips wußte ich nicht so recht wie ich das einordnen sollte und habe angefangen ein bischen nachzulesen. Zitat Wiki "Death in June sind wegen ihres spielerischen Umgangs mit totalitärer und nationalsozialistischer Ästhetik umstritten." Allerseelen z.B. hat Gedichte von u.a. Hesse, Nietzsche, Hebbel und Hölderlin vertont, aber auch positive Würdigungen an Leni Riefenstahl, Ernst Jünger und Karl Maria Wiligut sind zu finden. So ist das Album Gotos=Kalanda eine Homage an Wiligut. Grundsätzlich halte ich den Neofolk nicht für Rechts. Ich denke das da geschickt eine Nische von einigen rechtsorientierten Bands genutzt wird. Mystizismus und Okkultismus hatten ja schon zu Hitlers Zeiten eine Bedeutung. Vielleicht sind wir was dieses Thema angeht manchmal übersensibel, aber wenn man sich näher mit Einigen dieser Bands bzw. deren Mitgliedern beschäftigt kommen zumindest mir Zweifel, ob da bei Allen was überinterpretiert wird. Wer mehr Interesse an dem Thema „Schwarze Szene und Rechts“ hat, kann hier vielleicht noch ein paar interessante Beiträge finden. Forum für Musik//Kultur//gegen Rechtsrock http://www.turnitdown.de/91.html
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von Michahst » 10. Feb 2010, 21:48
Gryphon hat geschrieben:Grundsätzlich halte ich den Neofolk nicht für Rechts. Ich denke das da geschickt eine Nische von einigen rechtsorientierten Bands genutzt wird.
Das sehe ich auch so. Den link gucke ich morgen mal genauer an...
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von jerrycornelius » 11. Feb 2010, 09:42
Gryphon hat geschrieben:Wer mehr Interesse an dem Thema „Schwarze Szene und Rechts“ hat, kann hier vielleicht noch ein paar interessante Beiträge finden. Forum für Musik//Kultur//gegen Rechtsrock http://www.turnitdown.de/91.html
Da heißt es etwa: "Eine der Grundthesen des Buches war schon 2002, dass der rechte Flügel der Darkwave-Szene kein Äquivalent zur Rechts- Rock-Szene mit deren Eindeutigkeiten darstellt. Vielmehr sind die Musik bzw. die Interpreten in ihrer ganzen Ambivalenz zu betrachten." Da werden ne Menge Bands genannt, die ich nicht kenne. Death in June habe ich mir allerdings mal angeguckt. Was die Texte betrifft, ist das schon seeehr ambivalent. Es gab da eine Diskussion in der Bundesprüfstelle und eine Entscheidung der Staatsantwaltschaft zum Lied "Rose Clouds of Auschwitz": http://www.bundespruefstelle.de/bpjm/re ... b=true.pdfDie Staatsanwaltschaft sieht die Verharmlosung des Holocaust als nicht eindeutig an. Man kann den Text nachlesen und es bedarf schon einer gewissen Interpretationskraft. Die Band selbst scheint vorsichtig geworden zu sein, denn es findet sich dieser Text nicht mehr auf ihrer Homepage (die andren schon). Hier werden Grenzen absichtsvoll von Musikern überschritten. Das ist zumindest ein Spiel mit dem Feuer. "Im Szene-Mainstream wird neofolkloristische Musik vor allem in »Zillo« gefeatured und seit vergangenem Jahr in der »Szene-Bravo«, dem »Orkus«- Magazin. " aha "»Diese Szene rekurriert auf dezidiert europäische Kulturtraditionen«, erklärte Peter Matzke, Sprecher des WGT, im Interview mit der »Junge(n) Freiheit« im Juni 2003, »sie lebt etwas, das vor allem der nordeuropäischen Mentalität und Denkart entgegenkommt.« Einschränkend fügt er hinzu, dass die »Szene […] an sich apolitisch [ist] – insofern, als dass sich kein politischer Meinungs- Mainstream ergibt, der in das gängige Politikmodell eingeordnet werden könnte. Allerdings«, betont er, »ist die weitgehende Ablehnung des Wertesystems der europäischen und amerikanischen Wohlstandsgesellschaft in meinen Augen eine hochpolitische Aussage.«" Die Rückbesinnung auf eine eigene deutsche oder nordeuropäische (??) Kultur sehe ich auch ambivalent. Wahrung des Brauchtums ist eine feine Sache, solange sie sich nicht aggressiv gegen andere wendet. Dies scheint jedoch mit einer Ablehnung der westlichen Werte einherzugehen. Und da ist der Weg zu einem voraufklärerischen europäischen Fundamentalismus nicht weit, der analog einer Kritik des Islams am Westen betrachtet werden könnte. Auch der Nationalsozialismus fällt in diese Ahnenreihe, wenngleich ich keineswegs alles in einen Topf werfen würde, nur weil es eine gemeinsame Kritik gibt. Der Kapitalismus wird ja auch von Nazis wie von Kommunisten kritisiert; da gibt es Gemeinsamkeiten, aber auch große Differenzen! "»Jenseits von Sieg und Niederlage eint uns der Wille und die Vision. Wir marschieren gegen den Geist der Zeit, Ausbeutung, Egoismus, Korruption. Wir tragen die Erde unserer Ahnen, mit ihrer Kraft sind wir verbunden. Wir tragen die Erde unserer Ahnen, für Europas neue Sternstunde. Wir tragen die Erde unserer Ahnen, denn sie ist unser Erbe. Wir tragen die Erde unserer Ahnen, auf dass es morgen werde!«, singen »Belborn« auf einer gemeinsamen CD mit »Rose Rovine e Amanti« 2006 mit Blick auf die »Eiserne Legion« des rumänischen Faschistenführers Corneliu Zelea Codreanu. " Das ist allerdings genau eine andere Form von nationalsozialisticher Politikvorstellung. Die halte ich in der Tat für bedenklich. Wenn es nur um reinen Mystizismus und das Ausgraben alten Brauchtums geht, dann sehe ich das allerdings unproblematisch. "»Im weitesten Sinne gilt unser Bekenntnis dem indo-europäischen Raum, und hierin besonders den germanischen und keltischen Völkern, deren Blut noch immer in unseren Adern strömt. Ich habe vor jedem Respekt, der treu zu den Traditionen seiner Ahnen steht, was in diesem Zeitalter der Atomisierung und Anomie selbst schon zunehmend als ketzerisch gilt«." Indo-europäischer Raum... naja... Immerhin wird hier ein universaler Respekt gegenüber anderen Kulturkreisen ausgedrückt. Solange ich die Anderen als Gleiche respektiere ist die Welt in Ordnung. Problem wird es, wenn ich Andere gegen ihren Willen missionieren möchte... Ich weiß nicht, wie verbreitet diese aggressiven Tendenzen in der Szene sind. Dazu bin ich einfach zu wenig informiert. Im Artikel werden auch Dark Wave und Neo-Folk in einen Topf geworfen. Geht das??
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von miret » 11. Feb 2010, 10:12
Da wird schon eine ganze Menge rumgelabert und rumgeeiert. Ob jetzt Neofolk (ein Begriff, den ich noch gar nicht so lange kenne) mit Darkwave in einen Topf geschmissen werden kann, wage ich mal zumindest anzuzweifeln.
Aber wie immer in nahezu allen "Szenen", bzw. Subkulturen, gibt es auch immer weiter verzweigte Untergruppierungen, wo es sicherlich auch Berührungspunkte zu allem und jeden gibt.
Was Death In June betrifft, so geht diese Band gar nicht. Die kokettieren nicht nur mit faschistischer und nationalsozialistischer Symbolik, sondern geben und gaben auch jede Menge wirres Zeug von sich, was sich schon nicht mehr als reine Provokation (siehe Nazisymbolik in den Anfangstagen des Punk) darstellen lässt. Anders als bei Bands wie bspw. auch Joy Division/ New Order, denen man ja auch immer wieder dieses kokettieren vorgeworfen hat (was allerdings blanker Unsinn ist), sind Death In June aber immer 2-3 Schritte zu weit gegangen und versuchen ihr Image mit entsprechenden Inhalt zu füllen. Ob der Hintergrund nun tatsächlich eine rechtsgerichtete Ideologie ist, möchte ich mal dahingestellt lassen. Aber die spielen definitiv mit Dingen, mit denen zu spielen es sich einfach verbietet. Und somit propagieren sie rechtsextremistisches Gedankengut, wenn auch oft verklausuliert. Aber alleine der Name der Band, der an die "Nacht der langen Messer" erinnern soll, zeigt dies auf.
Das die Macher von DIJ ehemals bei der linksgerichteten Punkband Crisis spielten und angeblich von der Linken "enttäuscht" waren, verleiht der Geschichte einen absurden Anstrich.
Für mich, trotz musikalisch guter Sachen, ein absolutes NoGo!

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von Gryphon » 11. Feb 2010, 11:19
jerrycornelius hat geschrieben:Forum für Musik//Kultur//gegen Rechtsrock http://www.turnitdown.de/91.htmlDa heißt es etwa: "Eine der Grundthesen des Buches war schon 2002, dass der rechte Flügel der Darkwave-Szene kein Äquivalent zur Rechts- Rock-Szene mit deren Eindeutigkeiten darstellt. Vielmehr sind die Musik bzw. die Interpreten in ihrer ganzen Ambivalenz zu betrachten."
Genau das ist die Schwierigkeit und bedeutet jede Menge Recherche, die aber letztendlich auch nicht zur "Erkenntnis" führen muß. Ich habe mich daher nur mit Allerseelen und Death in June beschäftigt. Die Lyrics für sich betrachtet lassen nicht unbedingt darauf schließen. Ohne zu wissen, woher die Inspiration zu den Lyrics kommt, wer die Verfasser der Gedichte, die da vertont wurden ( biografisch gesehen) sind, kann man/ich da schlecht interpretieren. Die Verbindungen der Bands untereinander, wer tritt mit wem wo auf, Inhalt der Videoclips und eigene Anschauungen der Bandmitglieder müssen auch herangezogen werden. Das Spiel mit dem Feuer von ernsthaften rechten Ideologien abzugrenzen wird bewußt schwer gemacht. Ich bin auf der Suche nach Informationen über soviel Mist gestolpert, das mir jetzt noch übel ist. jerrycornelius hat geschrieben:Ich weiß nicht, wie verbreitet diese aggressiven Tendenzen in der Szene sind. Dazu bin ich einfach zu wenig informiert. Im Artikel werden auch Dark Wave und Neo-Folk in einen Topf geworfen. Geht das??
Kann ich leider nichts zu sagen, da ich nur musikalisch mit der Szene verbunden bin. Dark Wave und Neo Folk gehören mit Sicherheit nicht in einen Topf. Ich denke das hier lediglich aufgezeigt werden sollte, daß in beiden musikalischen Richtungen "schwarze Schafe" weiden. Zitat aus dem o.g. Link "Vor fünf Jahren erschien der Sammelband »Ästhetische Mobilmachung«, der die musikalischen Genres des Dark-Wave, Neofolk und Industrial im Spannungsfeld rechter Ideologien thematisierte. Off Topic: Interessant ist auch die Seite über Liedermacher.
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von Gryphon » 11. Feb 2010, 11:35
miret hat geschrieben:Aber wie immer in nahezu allen "Szenen", bzw. Subkulturen, gibt es auch immer weiter verzweigte Untergruppierungen, wo es sicherlich auch Berührungspunkte zu allem und jeden gibt.
Sehe ich auch so, wobei der Neofolk geradezu Ideal zu sein scheint. miret hat geschrieben:Was Death In June betrifft, so geht diese Band gar nicht.... Das die Macher von DIJ ehemals bei der linksgerichteten Punkband Crisis spielten und angeblich von der Linken "enttäuscht" waren, verleiht der Geschichte einen absurden Anstrich.
Diese Argumente??? habe ich auch gelesen.  ...also wer von Links entäuscht wird, fühlt sich Rechts dann mehr zu Hause? miret hat geschrieben:Für mich, trotz musikalisch guter Sachen, ein absolutes NoGo!
Dem kann ich Nichts hinzufügen.
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von jerrycornelius » 11. Feb 2010, 16:29
Gryphon hat geschrieben:miret hat geschrieben:Was Death In June betrifft, so geht diese Band gar nicht.... Das die Macher von DIJ ehemals bei der linksgerichteten Punkband Crisis spielten und angeblich von der Linken "enttäuscht" waren, verleiht der Geschichte einen absurden Anstrich.
Diese Argumente??? habe ich auch gelesen.  ...also wer von Links entäuscht wird, fühlt sich Rechts dann mehr zu Hause?
was ja nicht so ganz ungewöhnlich ist. Mussolini war auch Sozialist bevor er Faschist wurde. Und bei den Nazis gab es zeitweilig auch einen linken Flügel.
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von miret » 11. Feb 2010, 18:01
jerrycornelius hat geschrieben:Was ja nicht so ganz ungewöhnlich ist. Mussolini war auch Sozialist bevor er Faschist wurde. Und bei den Nazis gab es zeitweilig auch einen linken Flügel.
Ja, das stimmt natürlich... . Allerdings muß man das im zeitlichen Kontext sehen. Mit dem heutigen Wissen, was am Ende dabei rauskommt, wenn Faschisten an der Macht sind, aber dennoch verwunderlich. Und nebenbei... die Nazis heute haben ja auch wieder sowas wie einen linken Flügel... aber ich schweife schon wieder ab...
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von jerrycornelius » 11. Feb 2010, 18:25
miret hat geschrieben:jerrycornelius hat geschrieben:Was ja nicht so ganz ungewöhnlich ist. Mussolini war auch Sozialist bevor er Faschist wurde. Und bei den Nazis gab es zeitweilig auch einen linken Flügel.
Ja, das stimmt natürlich... . Allerdings muß man das im zeitlichen Kontext sehen. Mit dem heutigen Wissen, was am Ende dabei rauskommt, wenn Faschisten an der Macht sind, aber dennoch verwunderlich. Und nebenbei... die Nazis heute haben ja auch wieder sowas wie einen linken Flügel...
richtig, das wäre ein Argument dafür, dass es nicht nur einen historischen Kontext hat. Wobei ich schon der Ansicht bin, dass die Kommunisten in den 20-er/30er Jahren den Nazis ähnlicher waren als nötig. Es war gewiss kein Zufall, dass gerade in diesen Jahren faschistische Bewegungen ihren historischen Höhepunkt hatten - mit weltweiter Ausstrahlung. Aber: die Musik! Höre grade den Sampler "Discriminate" von Death in June. Die englischen Texte verstehe ich überhaupt nicht... Das sag ich jetzt als Hörer mit mittelmäßigen Englischkenntnissen. Außerdem ist ja selbst der Text von Rose Clouds of Auschwitz längst nicht so formuliert, dass man es eindeutig verstehen müsste. Das ist aber ja möglicherweise gerade das Spiel für Insider: ich verklausuliere meine Botschaft, damit du sie verstehst, wenn du die richtige Einstellung hast... Musikalisch ist es düstere, eher ruhige, mehr akustische Rockmusik, durchaus anschlussfähig an düstere Indie-Bands der 80er. Mit Rechtsextremismus würde ich das vom reinen Hören her nicht in Verbindung bringen. Es hat nichts von aggressivem Kampfgebrüll, Massensuggestion o.ä. D.h. es widerspricht musikalisch eher der (beabsichtigten bzw. ambivalent formulierten) Botschaft.
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von Gryphon » 11. Feb 2010, 19:51
Jerrycornelius Heißt der Song nicht Rose Clouds of Holocaust?
Hier noch ein Buch zu diesem Thema, das nicht nur den Ursprung und die Entwicklung des Neofolks beschreibt, sondern auch auf viele der Bands eingeht und das bei Death in June z.B. sehr ausführlich. Ich habe nur kurz reingelesen, mir scheint es interessant, da auch das Thema "Interpretationen, künstlerische Freiheit, Umgang mit dem Tabuthema Drittes Reich etc. angesprochen wird.
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von jerrycornelius » 12. Feb 2010, 09:36
Gryphon hat geschrieben:Jerrycornelius Heißt der Song nicht Rose Clouds of Holocaust?
ja, genau, hab mich vertan. Hier noch ein Buch zu diesem Thema, das nicht nur den Ursprung und die Entwicklung des Neofolks beschreibt, sondern auch auf viele der Bands eingeht und das bei Death in June z.B. sehr ausführlich. Ich habe nur kurz reingelesen, mir scheint es interessant, da auch das Thema "Interpretationen, künstlerische Freiheit, Umgang mit dem Tabuthema Drittes Reich etc. angesprochen wird.
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danke für den Tipp! 
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von Hansekarl » 17. Feb 2010, 23:32
Zu dem Buch "Looking For Europe" gibt es übrigens auch eine sehr empfehlenswerte Compilation: http://www.amazon.de/Looking-Europe-Aud ... 617&sr=8-4. Zudem gerade bei der Amazone für schlappe 17 Euro zu ordern! Das Booklet dazu ist sehr aufwendig und informativ, sodass man hier schon einen guten Überblick geboten bekommt. Wer nun aber meint, es ist auf den 4 CDs nur Lagerfeuergeklampfe zu hören, der irrt, denn es sind auch einige Sachen dabei, die man eher dem Industrial zuordnen würde, und zum anderen gibt es auch richtig altes Zeug, zum Beispiel Nico.
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