Bereits das Debut „Deine Lakaien“, das im Eigenvertrieb erscheint und schnell in der Subkultur Bahnen zieht, zeigt den typischen avantgardistischen Sound der Band, die Experimentierfreude zweier Ausnahmeerscheinungen und doch den Hang zu eingängigen, klassisch konstruierten Liedern. 1991 erscheint auf Gymnastic Records das Album „Dark Star“. Die Resonanz ist gewaltig: Deine Lakaien ernten eine Welle der Euphorie und gewinnen Fans in ganz Europa. Das Album selbst ist bis heute ein Dauerbrenner und für Einsteiger in den Wave-Pop ein Pflichtkauf. Gleichzeitig definieren Deine Lakaien mit Songs wie „Reincarnation“, Love me to the end“ oder „Dark Star“ die Ansprüche an intelligenten und dennoch tanzbaren Wave völlig neu. Fortan ist die Band omnipräsent, gilt als Leitstern der Szene und nutzt den erreichten Status für neue musikalische Ideen.
Mit dem insgesamt etwas härteren und von Aspekten des Industrial inspirierten Album „Forest Enter Exit“ gelingt erstmals eine Platzierung in den deutschen Charts. Das Karrussel ist nicht mehr zu bremsen: Deine Lakaien drehen ästhetisch anspruchsvolle Videos und avancieren zu einem Act, den trotz der immer noch vorhandenen Sperrigkeit Major-Labels ins Auge fassen. Horn und Veljanov reagieren auf den zunehmenden Erfolg und den zunehmenden Druck mit einem ungewöhnlichen Schritt. Sie dekonstruieren ihre mitunter pompösen und vielschichtigen Lieder und tragen sie auf einer begeistert aufgenommenen Tournee akustisch vor. Präpariertes Klavier und Stimme, die Leitmelodien als Kern – ein Konzept, mit dem sie 1995 nicht nur dem Wave einen dicken Qualitätsstempel aufdrücken, sondern gleichzeitig einen Trend setzen, dem bis heute Bands folgen. Die Frucht dieser Idee, das Album „Acoustic“, gelangt mühelos in die Charts. Ebenso wie das Album „Winter Fish Testosterone“, das ein Jahr später erscheint und mit dem Deine Lakaien erneut die Fähigkeit beweisen, dem Stillstand die Hörner aufsetzen zu können. Die Nachfrage nach Auftritten der Band ist inzwischen so groß, dass sie mühelos zwei ausgedehnte Deutschland-Tourneen spielt. Gleichzeitig verfestigen Horn und Veljanov mit der Nähe zu den Fans ihr Image als außergewöhnliche Live-Band.
„Kasmodiah“ ist 1999 die erste Platte der Lakaien, die auf einem Major-Label erscheint. Die Musik ist eingängig und deutlich poppiger, dennoch keine Enttäuschung für die Fans. Im Gegenteil: Dank der beiden Hits „Into my arms“ und „Return“ generieren die beiden Musiker eine Vielzahl neuer Anhänger. Mit dem 2002er-Album „White Lies“ kehren Deine Lakaien nochmals zu einem Metier zurück, das sie mühelos beherrschen: dem klassischen Liedgut. Auf dem Hintergrund privater Schicksalsschläge entsteht ein dicht gewobenes, einzigartiges und sehr ruhiges Album, das unglaublich redundant daherkommt, letztendlich jedoch genau dadurch besticht. Es ist ein ernstes Album, eine Perle der Melancholie und Traurigkeit, aber auch eine bestandene Reifeprüfung. Einen Querschnitt durch ihr gesamtes Repertoire liefern Deine Lakaien zuletzt mit dem 2005er-Album „April Skies“ ab; gleichzeitig kehren sie mit der Auskopplung „Over and done“ in die Clubs zurück. Gerade die Offenheit dieser Platte ist es, die den weiteren Weg der Lakaien kennzeichnet. Alles ist möglich – und alles wird sein. Wie zum Beweis dieser These gastiert die Band im April 2006 mit einem ausverkauften Akustik-Konzert auf Einladung der Neuen Nationalgalerie Berlin bei der Ausstellung „Melancholie. Genie und Wahnsinn in der Kunst“. Mehr als 1000 Zuschauer erleben in glasklarem musealen Setting einen bewegenden und wuchtigen Auftritt der Lakaien. Bestärkt durch den Erfolg entscheiden Veljanov und Horn, die nächste musikalische Grenzüberschreitung zu wagen: Sie bereiten für den Februar 2007 ihre erste Orchester-Tournee mit der Neuen Philharmonie Frankfurt vor.
Jochen Müter / Mai 2006 (http://www.deine-lakaien.com/HOMEPAGE/bio_d.html)
Der Name „Deine Lakaien“ wurde von Alexander Veljanov vorgeschlagen. Er ist an die Textzeile „Auch Lakaien haben Taktgefühl“ des Einstürzende-Neubauten-Songs Die genaue Zeit angelehnt. Hintergrund für diese Auswahl war, dass Deine Lakaien elektronische Musik machen sollte, die beiden Musiker die Wave-Bewegung allerdings als gestorben ansahen. Deswegen wollten sie einen Namen, der nicht mit dieser Strömung in Verbindung stand. Gleichzeitig sollte der Name deutsch sein, obwohl bereits zu dem Zeitpunkt klar war, dass die Texte überwiegend auf Englisch sein würden.
Stilistisch wird Deine Lakaien vornehmlich dem Dark-Wave-Umfeld zugewiesen. Die Studioalben sind überwiegend elektronisch produziert, lediglich auf Kasmodiah von 1999 und April Skies von 2005 nahmen die jeweiligen Livemusiker an den Aufnahmen teil, für White Lies von 2002 wirkten eine Geigerin, ein Cellist, ein Gitarrist und ein Drehleier-Spieler mit. Einflüsse sind ernste Musik und verschiedene Künstler der 1970er und 1980er Jahre wie Ultravox, Kraftwerk, Virgin Prunes, Bauhaus und Joy Division.
Ein wesentliches Merkmal der Musik von Deine Lakaien ist die große stilistische Vielfalt. So versammeln sich alleine auf dem 1993er Album Forest Enter Exit mit The Walk to the Moon eine ruhige, emotionale, hauptsächlich mit dem Klavier begleitete Ballade, mit Nightmare eine Mischung getragener Passagen und dissonanter Avantgardeparts, und technoide Stücke wie Resurrection Machine und Brain Fic. Spätere Alben sind etwas einheitlicher im Charakter; Kasmodiah und White Lies sind relativ ruhig, während das neueste Album April Skies deutlich lebhafter ist. Dieser Charakter wird durch den Einsatz einer E-Gitarre und Einflüsse aus der Rockmusik unterstützt.
(http://de.wikipedia.org/wiki/Deine_Lakaien)
Alben
1986 Deine Lakaien LP
Eigenproduktion, Wiederveröffentlichung 1991 als 1st Album auf limitierter LP und CD bei ClassX
1991 Dark Star LP, CD
Wiederveröffentlichung 2005 in einer Doppel-CD-Ausgabe mit 2nd Star
1993 Forest Enter Exit LP, CD, MC
Zuerst veröffentlicht als Promo-Picture-Disc mit einem von der regulären Ausgabe abweichendem Booklet und einem Info-Sheet. Zwei weitere CD-Auflagen erschienen im japanischen Paperfold-Design, teils mit und ohne Magnetverschluss, beide limitiert. Wiederveröffentlichung 2005 in einer Doppel-CD-Ausgabe mit Mindmachine
1996 Winter Fish Testosterone LP + 7", CD
LP + 7" limitiert auf 1000 Kopien, die 7"-Single enthält den Track Dark Star (Mix 3)
1999 Kasmodiah LP, CD, Mini-Disc
Auf 3000 Stück limitierte CD-Ausgabe enthält zusätzlich den Track Venus Man in einer alternativen Version
2002 White Lies 2xLP, CD
2003 1987 – The Lost Early Works CD
Veröffentlichung des Silver Tape von 1987
2005 April Skies CD
Auch als Special Edition mit dem zusätzlichen Track Falling
Live
1992 Dark Star-Tour '92 CD
Live
1995 Forest Enter Exit VHS
Live in der Festhalle Durlach, Karlsruhe, 10. Dezember 1993
1995 Acoustic CD
Limitierte Erstauflage im Pappschuber
2003 Live in Concert 2xCD, DVD
Offizieller Mitschnitt vom Konzert im Potsdamer Lindenpark am 29. November 2002
2006 The Concert That Never Happened Before DVD
Offizieller Mitschnitt von dem Special-Concert am 12. August 2005 im Capitol in Hannover. Erschien nur in einer auf 1987 Exemplare begrenzten Stückzahl.
2007 20 Years of Electronic Avantgarde 2xCD, DVD
Live in Oberhausen mit der Neuen Philharmonie Frankfurt. Erschien außerdem als Special Edition inklusive der Live-Aufnahme auf CD und einer weiteren DVD, auf der sich unter anderem eine Videoclip Collection sowie Live Concert Clips aus der Anfangszeit befinden.
(http://de.wikipedia.org/wiki/Deine_Lakaien#Alben)
Ich habe Anfang der 90er mal Konzertausschnitte von Deine Lakaien zufällig im Radio gehört. Dann hab ich mir die Live-CD von der Dark Star - Tour besorgt. Fand ich damals ganz gut, aber auch nicht sooo geil. Trotzdem blieben mir Deine Lakaien ein Begriff, auch wenn ich die weitere Entwicklung nicht mehr so weiter verfolgte. Durch die Beschäftigung mit den Projekten Qntal und Helium Vola von Ernst Horn kam ich dann auf Deine Lakaien zurück und erschließe mir gerade die komplette Discographie. Ganz ganz große Klasse kann ich nur sagen, wenn man intelligente, düstere Elektronik mit dunklem Gesang mag.

Und da wir ja keine Fotos nehmen dürfen, bewegte Bilder aber schon...



